
„Ich brauche meine Magie. Was verlangt Ihr dafür?“ Im Schloss hatte sie Schmuck, der mehr wert war, als er sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen konnte. „So funktioniert Eure Welt, nicht wahr? Magie wird gehandelt wie Mehl oder Eier. Sagt mir, was hättet Ihr denn zu bieten?“ Eigentlich möchte Prinzessin Aryana nur die Thronfolge ausschlagen, den königlichen Hof hinter sich lassen und ein freies Leben als Fee führen. Dieser Traum rückt jedoch in weite Ferne, als sie dem Elfen und Feind der Krone Kian Taur von Sommerfeld begegnet. Er stiehlt Aryanas Kräfte, sodass sie sich nicht mehr in eine Fee verwandeln kann. Um sich neue Magie zu verdienen, muss sie einen Pfad durch die Wälder ihres Reiches beschreiten – eine bedrohliche Reise, für die sich seit jeher Wandersleute zusammenschließen. Und als würden die lauernden Gefahren nicht ausreichen, ist ausgerechnet Kian Taur von Sommerfeld unter ihren Begleitern. In sich abgeschlossenes Romantasy-Märchen. „Was kann ich für Euch tun, Prinzessin?“ „Ich hätte eine Frage." Aryana reckte ihr Kinn, erinnerte sich dann aber an ihre Lage und senkte es wieder. Sie wollte, dass er ihre Magie zurückgab, sicherlich käme sie mit Freundlichkeit am ehesten weiter. „Und wenn Prinzessinnen Fragen haben, müssen einfache Elfen sie anhören, wie ich annehme?“ Trotz des Hohns war sein Blick aufmerksam, als erwarte er eine ehrliche Antwort. Aryana atmete ihren aufkommenden Ärger weg. „Könntet Ihr mir bitte meine Magie zurückgeben?“ Der Elf zog eine Augenbraue nach oben. „Eure Magie?“ „Als Ihr dahintergekommen seid, dass ich die Prinzessin bin, da habt Ihr kurzerhand beschlossen, sie mir zu nehmen. Richtig?“, fragte sie betont gelassen. Kian schüttelte langsam den Kopf. „Wenn Ihr meint, Prinzessin.“ Aryana stemmte die Hände in die Hüften. „Mehr habt Ihr dazu nicht zu sagen?“ „Ihr habt ohnehin eine vorgefertigte Meinung. Wer bin ich, Euch Eure Fantasien zu rauben?“ „Mir ist nicht entgangen, wie konzentriert Ihr mir hinterhergesehen habt, als ich geflüchtet bin. So sieht nur jemand aus, der Magie wirkt. In diesem Moment habt Ihr sie mir genommen.“ Das erste Mal im Verlauf dieses Gesprächs gewann der Schalk in seinen Augen die Oberhand. „Ihr seid anscheinend nicht allzu vielen Männern begegnet, wenn Ihr glaubt, ich hätte Euch aus diesem Grund hinterhergesehen.“ „Was wolltet Ihr dann …“ Sie stockte, als sie die Bedeutung seiner Worte begriff. Aryana hob warnend ihren Zeigefinger. „Wenn Ihr denkt, mich mit eurem Elfencharme einwickeln zu können, habt Ihr Euch geschnitten.“ „Elfencharme? Klärt mich auf, was es damit auf sich hat. Ich kann Euch erneut nicht folgen.“ Seine zuckenden Mundwinkel verrieten, dass er sich köstlich über sie amüsierte. Aryana verdrehte die Augen. Sie musste das hier abkürzen, ehe sie ihm weiteres Futter für seinen Spott lieferte. „Hört zu. Ihr hattet Euren Spaß. Ich habe mich vor dem Volk lächerlich gemacht. Mein Vater konnte nicht anders, als mich mit den Wandersleuten fortzuschicken. Bravo, Eure Taten haben Wirkung gezeigt. Nur wollt Ihr wirklich verantworten, dass mir etwas geschieht? Ich bin ein Naturwesen wie Ihr und nun schutzlos den Gefahren des Waldes ausgeliefert“, appellierte sie an sein Ehrgefühl. Vielleicht hätte sie das gleich tun sollen.