**Ein Geheimnis droht, alles zu zerstören.**Eigentlich hat sich alles so gut angehört. Gehe eine Fake-Beziehung mit dem Ex-Verlobten der neuen Flamme deines Ex-Freundes ein. Zahle Owen die Demütigung heim, die er dir beschert hat. Mache ihn eifersüchtig, zeige ihm, was er verloren hat und dass du nicht der langweilige Nerd bist, als den er dich sehen möchte. Natürlich mache ich das für mich selbst und nicht, weil ich diesen eingebildeten Idioten zurückhaben will.Doch das stellt sich als eine verdammt schlechte Idee heraus, denn nachdem ich mich in Jeremy verliebt habe, stelle ich fest, dass er etwas vor mir verheimlicht. Dieses Geheimnis droht, alles zu zerstören.AudreySchon wieder muss mein langjähriger Freund Owen sehr lange arbeiten, und ich frage mich, ob das nicht irgendwann negative Auswirkungen auf unsere Beziehung haben wird, wenn wir uns so selten sehen.Aber kommt es letztendlich nicht mehr auf die Qualität als die Quantität der miteinander verbrachten Zeit an?Owen macht das alles nur für uns. Das sagt er mir immer wieder. Schließlich will er Geld zurücklegen, damit wir uns ein kleines Haus am Stadtrand leisten können. Schließlich wollen wir irgendwann heiraten. Nach dreizehn Jahren Beziehung ist es nur eine reine Formsache, dass er mich danach fragen wird. Bisher hatten wir einfach keine Zeit dafür. Owen will den perfekten Moment abwarten, hat er gesagt.Er ist meine Highschoolliebe. Wir sind zusammen, seit ich sechzehn war. Während meine Freundinnen eine Menge Frösche küssen mussten, hatte ich das Glück, sofort den Richtigen zu finden. Das weiß ich sehr zu schätzen.Ich sitze mit meinem E-Book-Reader gemütlich auf dem Sofa, als es an der Tür klingelt. Wer kann das sein? Vielleicht ist es eine meiner Freundinnen. Manchmal kommen sie spontan bei mir vorbei.Gerade bei meiner besten Freundin Hazel weiß man das nie. Um diese Zeit, also Viertel nach acht abends, hat ihr Friseurgeschäft gerade zugemacht. Manchmal kommt sie gleich im Anschluss darauf bei mir vorbei, um mit mir über den Tag zu quatschen.Erwartungsvoll lege ich meinen E-Book-Reader zur Seite, erhebe mich und gehe zur Tür.Glücklicherweise leben wir in einer beschaulichen Kleinstadt mit ungefähr zehntausend Einwohnern, in der es kaum Kriminalität gibt. Daher erwarte ich auch nichts Schlimmes, als ich die Tür öffne.Doch als dort um diese Uhrzeit ein großer, breitschultriger, fremder Mann steht, wird mir einen Moment lang mulmig zumute. Andererseits sieht er mit seiner Brille, dem zu weiten, weißen Hemd und der dunkelgrauen Bundfaltenhose aus wie ein Versicherungsvertreter. Bestimmt will er mir etwas verkaufen oder Spenden sammeln.»Guten Abend. Ich kaufe nichts und spende nur online und das auch nur an UNICEF und die Caritas«, sage ich daher, denn schließlich gibt es eine Menge unseriöser Spendensammler. Als ich noch an der Tür Spenden gegeben habe, kam tatsächlich das angebliche Amerikanische Rote Kreuz im Abstand von zehn Tagen zweimal vorbei. Keine Frage, dass da jemand mit einem gefälschten Ausweis unterwegs gewesen ist.Ich will die Tür schon wieder schließen, da tritt er näher und sieht mich beschwörend aus seinen unerwartet schönen, schokoladenbraunen Augen an. Der Hauch seines frischen, markanten Aftershaves weht mir in die Nase. »Ich bin wegen Owen Smith hier.«Erschrocken und besorgt blicke ich den Fremden an. Wie jemand von der Polizei oder vom Rettungsdienst sieht er nicht aus. »Ist ihm etwas zugestoßen?« Meine Stimme zittert leicht.Ernst sieht er mich an.