The Agony of Eros
2017
Byung-Chul Han
Ein Plädoyer dafür, dass Liebe den Mut erfordert, Selbstverneinung zu akzeptieren, um den Anderen zu entdecken.
Byung-Chul Han ist heute einer der meistgelesenen Philosophen Europas und gehört zu einer neuen Generation deutscher Denker, zu der auch Markus Gabriel und Armen Avanessian zählen. In Agonie des Eros, einem Bestseller in Deutschland, untersucht Han die Bedrohung von Liebe und Begehren in der heutigen Gesellschaft. Für Han erfordert Liebe den Mut, Selbstverneinung zu akzeptieren, um den Anderen zu entdecken. In einer Welt des fetischisierten Individualismus und technologisch vermittelter sozialer Interaktion wird der Andere ausradiert, nicht das Selbst. In der zunehmend narzisstischen Gesellschaft von heute sind wir dazu übergegangen, Liebe und Begehren im „Inferno des Gleichen“ zu suchen.
Han gibt einen Überblick über die Bedrohungen des Eros und greift dabei auf ein breites Spektrum von Quellen zurück: Lars von Triers Film Melancholia, Wagners Tristan und Isolde, Fifty Shades of Grey, Michel Foucault (dessen Aufwertung der Macht er einer scharfen Kritik unterzieht), Martin Buber, Hegel, Baudrillard, Flaubert, Barthes, Platon und andere. Han untersucht die „Pornographisierung“ der Gesellschaft und zeigt, wie Pornografie den Eros entweiht; erörtert die Einebnung wesentlicher Unterschiede durch den Kapitalismus; und diskutiert die Politik des Eros in der heutigen „Müdigkeitsgesellschaft“. Für Han bedeutet, für die Liebe tot zu sein, für das Denken selbst tot zu sein.
Prägnant im Ausdruck, aber schonungslos in seiner Einsicht, ist Agonie des Eros ein wichtiger und provokativer Beitrag zu Hans fortlaufender Analyse der zeitgenössischen Gesellschaft.
Dieser bemerkenswerte Essay, eine intellektuelle Erfahrung ersten Ranges, bietet eine der besten Möglichkeiten, sich eines der drängendsten Kämpfe unserer Zeit voll bewusst zu werden und sich daran zu beteiligen: der Verteidigung, das heißt – wie Rimbaud es wünschte – der „Neuerfindung“ der Liebe. – Aus dem Vorwort von Alain Badiou