
Erstmals wird hier einem Buch die Gestaltung gegeben, wie Joseph Roth sie sich schon zu Lebzeiten gewünscht hatte: das Nebeneinander von "Die Weißen Städte" und "Juden auf Wanderschaft". Beide Reisebücher des berühmten fahrenden Feuilletonisten entstanden Mitte der 1920er-Jahre und beide sind mehr journalistische Berichte oder Reportagen. In "Juden auf Wanderschaft" schreibt Joseph Roth über den Exodus der europäischen Juden. Die "Die Weißen Städte" – nun endlich nach der Fassung letzter Hand ediert – hat er seine Träume im Reisegepäck: Von Lyon über Vienne, Avignon, Nîmes, Tarascon, Les Beaux-de-Provence und Arles auf dem Weg nach Marseille entwirft Joseph Roth die Bilder seiner Sehnsuchtsorte, Ansichten von Landschaften mit ihren Menschen. Am Horizont scheint das Mittelmeer auf, das "weiße Meer", das Ost mit West und beide Bücher miteinander verbindet. Joseph Roth, 1894 in der ostgalizischen Vielvölkerstadt Brody, nahe Lemberg, geboren und der vom Ersten Weltkrieg traumatisierten Generation zugehörig, übersiedelte mit wachem Geist für jeden Antisemitismus und politisch hellsichtig schon 1925 nach Paris, wo er bis zu seinem Tod 1939 lebte. Neben seinem Romanwerk entstanden seine Reportagen und ein essayistischen Werk, das Joseph Roths Vision einer vereinten übernationalen europäischen Föderation enthält. Joseph Roths Kosmos erschließt uns Volker Breidecker mit einem ausgreifenden biografischen Essay.