
Vom Versuch, nirgendwo zu wohnen und überall zu leben. Die vermutlich bekannteste Bahnfahrerin der Welt erzählt! Seit Leonie Müller ihre Wohnung gegen eine BahnCard 100 eingetauscht hat, reist sie durch ganz Deutschland. Eineinhalb Jahre lang macht die Studentin das gehassliebteste Verkehrsmittel der Deutschen zu ihrem Lebensmittelpunkt, beschränkt ihr Hab und Gut auf den Inhalt eines 40-Liter-Rucksacks und versucht sich als moderne Nomadin. Was bedeutet Zuhause in unserer mobilen Gesellschaft? Wie fühlt es sich an, ständig unterwegs zu sein? Und warum hat der Begriff "Heimat" noch keinen Plural? Klug, frisch, locker und ganz besonders - Leonie Müller ist die Stimme der Generation mobil. "Wie Perlen an einer Kette schweben die Scheinwerfer der Autos am Waldrand entlang. Ich vertraue meiner Sitznachbarin im Vierer gegenüber meinen Rucksack an und laufe wie nach einer lang ersehnten Rückkehr durch alle Zimmer meiner Wohnung. Wie in Zeitlupe schwebe ich durch die Gänge, schwankend mit der Bewegung des Zuges, meine Hände über Holz und Stoff streifen lassend, durch einen Tunnel voller Farben und Lichter mitten in der Dunkelheit, vorbei an dezent blauen Sitzen, der seitlichen Beleuchtung, sehe Leute dösen, arbeiten oder friedlich aus dem Fenster gucken. Draußen ist nichts, nur Dunkelheit und in mir ist alles. Zurück an meinem Platz, lasse ich mich in den Sitz sinken, lehne mich an ihn, wie an die starke Schulter eines Freundes, und seufze. 'Ich hab dich lieb, ICE', sage ich. 'Ich dich auch, Leonie', sagt der ICE."